{"id":1343,"date":"2019-06-03T22:44:56","date_gmt":"2019-06-03T20:44:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hakos-astrofarm.com\/de\/?page_id=1343"},"modified":"2019-10-23T21:36:34","modified_gmt":"2019-10-23T19:36:34","slug":"gamsberg-geologie","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.hakos-astrofarm.com\/de\/gamsberg-geologie\/","title":{"rendered":"Gamsberg Geologie"},"content":{"rendered":"<p>Zu dem Namen &#8218;Gamsberg&#8216;:<br>J. E. Alexander erw\u00e4hnt den Gamsberg wohl als erster Europ\u00e4er in seinem Bericht &#8218;An Expedition of Discovery into the Interior of Africa&#8216;. Dort nennt er ihn &#8218;<b>Tans-Berg&#8216;<\/b>. &#8218;Tans&#8216; (Nama) = &#8218;Schirm&#8216; laut Alexander.&nbsp; Auf der deutschen Kriegskarte ist er als der Gro\u00dfe &#8218;<b>Gansberg&#8216;<\/b> verzeichnet.<\/p>\n<hr>\n<p><strong>Geologische Geschichte des Gamsberggebietes<\/strong><\/p>\n<p>K.E.L. SCHALK<\/p>\n<p>JOURNAL XXXVIII &#8211; SWA Wissenschaftliche Gesellschaft,<br>Windhoek, SWA, 1982\/83 &#8211; 1983\/84<\/p>\n<hr width=\"300\">\n<p class=\"textblock\">Der Gro\u00dfe und der Kleine Gamsberg liegen innerhalb der Randstufe (Great Escarpment), die das s\u00fcdafrikanische Hochplateau von dem im Westen anschlie\u00dfenden Namib-Tiefland trennt. Die Ostseite des bis auf 2347 m (Kleiner Gamsberg: 2326 m) ansteigenden gewaltigen Gebirgsmassivs, ragt 450 m \u00fcber das Hochplateau hinaus; im Westen f\u00e4llt es, wild zerkl\u00fcftet, etwa 1100 m zu den Ausl\u00e4ufern der Namibebene hinab. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der beiden Berge besteht aus etwas verschiefertem roten Granit; dieser wird von einer horizontal gelagerten, etwa 25 m dicken Quarzitplatte \u00fcberlagert, welche dem Gamsberg und seinem kleinen Nachbarn die in diesem Teil des Landes ungew\u00f6hnliche und deshalb so auff\u00e4llige Gestalt von Tafelbergen verleiht.<\/p>\n<p class=\"textblock\">Die \u00e4ltesten Gesteine in der Umgebung des Gamsberges geh\u00f6ren der Gaub Valley Formation an, einer viele hunderte von Metern m\u00e4chtigen Folge von Quarzit, Konglomerat, Schiefer und basischer Lava, die vor sch\u00e4tzungsweise 1800 Millionen Jahren (My) abgelagert wurde. Sie sind heute vor allem in der Umgebung des Gaubtales erschlossen, d.h. in der tief eingeschnittenen Senke, die s\u00fcdlich vom Gamsbergmassiv weit von der Namibebene nach Osten in Richtung Areb vorspringt. Vor etwa 1700 My wurden diese Schichten erstmals von aus der Tiefe aufsteigenden Magmen dioritischer Zusammensetzung intrudiert. Diese bildeten den Weener Quarzdiorit, ein dunkelgrau-gr\u00fcnliches Gestein mit reichlich Hornblende und Biotit, das einen Teil des Gamsberg-S\u00fcdhanges aufbaut. Die vom Farmhaus Weenen zum Berg f\u00fchrende Pad verl\u00e4uft anfangs auf diesem Gestein.<\/p>\n<p class=\"textblock\">Es ist bekannt, da\u00df es in der Folgezeit zur Intrusion weiterer magmatischer Gesteine in die Gaub Valley Schichten kam, diese sind aber in der n\u00e4heren Umgebung des Gamsberges nicht erschlossen. Anschlie\u00dfend folgte eine etwa 300 My w\u00e4hrende Zeit allm\u00e4hlicher Abtragung bis vor etwa 1350 My ein neuer Ablagerungszyklus begann. W\u00e4hrend starker vulkanischer T\u00e4tigkeit wurden die m\u00e4chtigen Laven, Tuffe, Pyroklasten und grobklastischen Sedimente der Sinclair-Folge abgesetzt, die heute noch im Gebiet Helmeringhausen &#8211; Sossus &#8211; Rehoboth &#8211; Witvlei weit verbreitet vorkommen. Die vulkanische T\u00e4tigkeit wurde von der Intrusion enormer Massen granitischen Magmas in den Untergrund begleitet, von Material also, dem der Aufstieg zur Oberfl\u00e4che nicht gelang. Zu diesen geh\u00f6rt auch die gro\u00dfe Granitmasse aus deren westlichem Teil sp\u00e4ter der Gamsberg herausmodelliert wurde. Es handelt sich hierbei um rote, mittelk\u00f6rnige Granite, die etwa vor 1100 My entstanden sind. In dieser Gegend drangen sie in die Gaub Valley Schichten und den Weener Quarzdiorit ein und f\u00fchren daher zahlreiche Bruchst\u00fccke dieser Gesteine. Nach ihrer Erstarrung wurden die Granite w\u00e4hrend einer neuen vulkanischen Periode von Basaltg\u00e4ngen intrudiert, den Zufuhrkan\u00e4len von an der Oberfl\u00e4che ausgeflossenen Laven. Im Anschlu\u00df daran kam es vor etwa 950 My zu gro\u00dfr\u00e4umigen Verschiebungen in der Erdkruste und im Zusammenhang damit zur Faltung und Pressung der Gesteine. Hierbei erhielten die in der Tiefe liegenden Granite die schieferige Textur die besonders im Gamsberggebiet so auff\u00e4llig entwickelt ist (Abb. 1).<\/p>\n<div><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-73 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.hakos-astrofarm.com\/de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/gb_geo_pict0.jpg\" alt=\"\" width=\"369\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/www.hakos-astrofarm.com\/de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/gb_geo_pict0.jpg 369w, https:\/\/www.hakos-astrofarm.com\/de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/gb_geo_pict0-300x137.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 369px) 100vw, 369px\" \/>Abb. 1: Kleiner Gamsberg. Die sehr kr\u00e4ftig ausgebildete Schieferung im Granit streicht SW-NE und f\u00e4llt um 45\u00b0 nach NW.<\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<p class=\"textblock\">Wegen der tiefreichenden Erosion im Anschlu\u00df an diese Ereignisse sind in der weiteren Umgebung des Gamsberges die seinerzeit an der Oberfl\u00e4che liegenden Lavagesteine v\u00f6llig abgetragen und nur die tief in die Erdkruste hinabreichenden Granitmassen und ihre Nebengesteine sind erhalten geblieben.<\/p>\n<p class=\"textblock\">Allm\u00e4hliche tiefe Absenkung, durch Dehnung der Erdkruste bedingt, f\u00fchrte schlie\u00dfIich dazu, da\u00df der gr\u00f6\u00dfte Teil des s\u00fcdwestlichen Afrika sowie nach Norden und Nordost weit dar\u00fcber hinausreichende Gebiete vom Meer \u00fcberflutet und von marinen Ablagerungen &#8211; Kalk, Sand und Schlick &#8211; bedeckt wurden. Es ist wahrscheinlich, da\u00df eine etwa beim jetzigen Gamsberg beginnende und nach Osten \u00fcber Rehoboth bis in die Gegend vom Witvlei reichende Zone eine aus dem Meer herausreichende Landschwelle bildete, denn dieses Gebiet trennt heute zwei etwa gleich alte, aber ganz verschieden aussehende marine Formationen, n\u00e4mlich die im Norden liegende Damara- von der im S\u00fcden liegenden Namafolge. Im Gamsberggebiet kommt nur die erstere vor; dazu geh\u00f6ren die Schiefer, Quarzite und Kalke, die im Nordwesten des Massivs vorkommen und die der Reisende passiert wenn er den Gamsbergpa\u00df hinabf\u00e4hrt. An vielen Stellen beginnt die Schichtfolge mit dem im strandnahen Gebiet zusammengesp\u00fclten Granitschutt der z.B. am Nordrand des heutigen Gamsbergmassivs eine mehrere Meter dicke Konglomeratlage bildet. Danach kam es in den flachen Randgebieten des Meeres zum Wachstum m\u00e4chtiger, durch Algen aufgebauter Kalkriffe (Korallen, heute die wichtigsten Riffbildner, gab es noch nicht). Am S\u00fcdwestrand des Gamsbergmassivs sind solche Kalke auf den Farmen Corona und Picadilly gut erschlossen, w\u00e4hrend sie am Nordrand, etwa in der Gegend des Passes, nur sehr d\u00fcnn sind oder auch ganz fehlen. Im Inneren des Beckens wurden an Stelle der Kalke m\u00e4chtige Tone und Sande abgelagert und es kam auch zur Eruption basaltischer Laven (zu gr\u00fcnlichem Amphibolschiefer ver\u00e4ndert, stehen diese in den steilen Kurven ziemlich hoch oben im Gamsbergpa\u00df an). Die Akkumulation dieser sehr m\u00e4chtigen Schichtfolge nahm etwa 200 Millionen Jahre in Anspruch. Im Anschlu\u00df daran kam es wieder zu einer Gebirgsbildung, w\u00e4hrend deren die Schichten wieder, in gr\u00f6\u00dftem Ma\u00dfstab, gefaltet, zusammen- und \u00fcbereinandergeschoben und dabei auch zu Gneis, Glimmerschiefer, Marmor und Quarzit ver\u00e4ndert. Im \u00e4lteren Pal\u00e4ozoikum kam es zur Hebung und allm\u00e4hlichen Abtragung dieser Faltenstrukturen. Die Landschaft hat wohl alle Phasen der aus anderen Weltteilen bekannten Entwicklung solcher Zonen vom alpinen Hochgebirge \u00fcber Mittelgebirge bis zu einer Rumpfebene durchlaufen. Da keine Ablagerungen aus dieser Zeit erhalten sind, ist es nicht mehr m\u00f6glich, diese Dinge genauer zu beschreiben. Reste einer solchen Verebnungsfl\u00e4che, die offensichtlich schon zur Karbonzeit bestanden hat, sind im \u00f6stlichen Khomashochland erhalten und die Hochebene \u00f6stlich des Gamsbergpasses ist wohl ihre etwa nach S\u00fcden abflachende Fortsetzung. Dieser Fl\u00e4che sa\u00dfen wahrscheinlich Inselberge und Massive aus hartem, schwer erodierbaren Gestein auf und es ist wahrscheinlich, da\u00df damals die heutigen Gamsberge und die sie umgebenden Granitkuppen als Hochgebiete ausgelegt wurden. Weitere Hebung brachte auch die Zerst\u00f6rung dieser weitgehend eingeebneten Landschaft mit sich, und bis zur j\u00fcngeren Karbonzeit, vor etwa 300 My, bestanden bereits manche wesentlichen Elemente der (s\u00fcdwest)afrikanischen Landschaft, n\u00e4mlich ein Tiefland im Westen, ein zentral gelegenes felsiges Hochland und ein weiteres, durch tiefreichende Erosion entstandenes Tiefland im Osten. Auch viele der das zentrale Hochland entw\u00e4ssernden Fu\u00dfsysteme waren bereits angelegt. Von der Oberen Karbonzeit ab liegen wieder datierbare Ablagerungen vor und die Landschaftsentwicklung kann genauer beschrieben werden. Es ist dabei immer zu bedenken, da\u00df die Verteilung der Kontinente und Meere damals eine v\u00f6llig andere war als heute, das jetzige s\u00fcdliche Afrika lag mitten in einem gro\u00dfen &#8222;Gondwanakontinent&#8220; und auch in anderen geographischen Breiten.<\/p>\n<p class=\"textblock\">Im Oberkarbon kam es zu einer Vereisung, w\u00e4hrend deren zun\u00e4chst das schon bestehende Relief durch Gletscher und von diesen ausgehende Schmelzw\u00e4sser intensiviert wurde. Beim Eisr\u00fcckzug am Ende dieser Zeit lagerte sich erst glazialer Schutt ab; dieser wurde dann durch Ablagerungen eines Meeres \u00fcberdeckt, das die tiefliegenden Gebiete am Ende der Eiszeit \u00fcberflutet hatte. Dieses Meer drang in den tief eingeschnittenen T\u00e4lern fjordartig in die Randgebiete des Hochlandes vor. Es ist anzunehmen, da\u00df die heute das engere Gamsberggebiet begrenzenden T\u00e4ler des Gaub und des Djab damals bereits angelegt und teilweise mit Sediment gef\u00fcllt wurden. Hiervon ist nichts erhalten, aber entsprechende Ablagerungen liegen noch am S\u00fcdrand der hochgelegenen Landmasse, an deren Nordwestende der Gamsberg liegt, etwa bei B\u00fcllspoort, Nauzerus und Schlip. R. WITTIG (1976) hat im Granit etwa 2 km s\u00fcdlich des Gamsbergplateaus eine schmale Spalte entdeckt, die mit einer sehr granatreichen Sandsteinmasse gef\u00fcllt ist. Heute gibt es in der Umgebung keine granatf\u00fchrenden Gesteine mehr, deren Schutt an diese Stelle transportiert werden k\u00f6nnte. Die Spalte mu\u00df daher sehr alt und zu einer Zeit gef\u00fcllt sein als die granatf\u00fchrenden Damaraschiefer im Gebiet n\u00f6rdlich vom Gamsberg noch weniger tief erodiert waren als heute und ihr Verwitterungsschutt nach S\u00fcden zum Gaub transportiert wurde. Dies kann praktisch nur in der fr\u00fchen Karoozeit gewesen sein, ehe das Djabtal das Schiefer- und Granitgebiet getrennt hatte. WITTIG glaubte auch in der N\u00e4he dieser Stelle Reste einer alten Verebnungsfl\u00e4che zu erkennen, die der Boden eines inzwischen durch weitere Erosion zerst\u00f6rten Tales sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p class=\"textblock\">In der nun folgenden j\u00fcngeren Perm- und in der Triaszeit wurden gro\u00dfe Teile des &#8211; immernoch innerhalb des alten Gondwanakontinents gelegenen &#8211; s\u00fcdlichen Afrika von terrestrischen Ablagerungen &#8211; Schottern, Sanden und Tonen, bedeckt. Der Kontinent war mittlerweile \u00e4quatorw\u00e4rts gedriftet und aus der Art der Ablagerungen kann auf warmes, trockenes Klima geschlossen werden. Solche Schichten sind in den zentralen Gebieten des Landes der Erosion anheimgefallen.<\/p>\n<p class=\"textblock\">In der Jura- und anschlie\u00dfenden unteren Kreidezeit, vor etwa 170 bis 120 My, wurden gro\u00dfe Teile des Landes von Sandd\u00fcnen bedeckt. Diese &#8222;aeolischen&#8220; Ablagerungen sind im allgemeinen stark verkieselt und bilden harte Quarzitlagen, die der Erosion gro\u00dfen Widerstand leisten. Wo sie erhalten geblieben sind bilden sie an manchen Stellen markante Tafelberge wie Etjo- und Waterberg und die beiden Gamsberge. Letzteres Vorkommen ist das am weitesten s\u00fcdlich gelegene und von allen anderen \u00fcber 200 km entfernt. Eine ausf\u00fchrliche Beschreibung der Sandsteine und der im folgenden erw\u00e4hnten Spaltenph\u00e4nomene wurde 1976 von R. WITTIG gegeben; der folgende Text beruht hierauf.<br>Die Quarzitplatte auf dem Gro\u00dfen Gamsberg hat eine Ausdehnung von etwa 3km\u00b2, die auf dem Kleinen Gamsberg nur von wenigen tausend m\u00b2. Die Quarzite sind zwischen 20 und 30 m dick und \u00fcberlagern eine ziemlich unebene Fl\u00e4che von schiefrigem Granit (Abb. 2) Die Oberfl\u00e4che ist sehr eben und im allgemeinen mit einer dicken Schicht von Quartzitbrocken bedeckt; es gibt aber auch einige sehr flache Niederungen, in denen diese von Flug- und Schwemmsand bedeckt sind.<\/p>\n<div style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-74 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.hakos-astrofarm.com\/de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/gb_geo_pict1.jpg\" alt=\"\" width=\"372\" height=\"157\" srcset=\"https:\/\/www.hakos-astrofarm.com\/de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/gb_geo_pict1.jpg 372w, https:\/\/www.hakos-astrofarm.com\/de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/gb_geo_pict1-300x127.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 372px) 100vw, 372px\" \/>Abb. 2: Gro\u00dfer Gamsberg. Quarzit \u00fcberlagert geschieferter Granit. Die Quarzitstufe ist etwa 25 m hoch.<\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-75 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.hakos-astrofarm.com\/de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/gb_geo_pict2.jpg\" alt=\"\" width=\"364\" height=\"229\" srcset=\"https:\/\/www.hakos-astrofarm.com\/de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/gb_geo_pict2.jpg 364w, https:\/\/www.hakos-astrofarm.com\/de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/gb_geo_pict2-300x189.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 364px) 100vw, 364px\" \/>Abb. 3: Schr\u00e4g liegende, nach Nordosten fallende Schichtung im Sandstein auf dem Gamsbergplateau.<\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<p class=\"textblock\">Die unterste Quarzitlage, bis etwa 1 m dick, ist rotbraun und schlie\u00dft kleinen Grus vom unterliegenden Granit ein. Der dar\u00fcber liegende Quarzit ist im allgemeinen viel heller, ein gro\u00dfer Teil ist wei\u00df. Er entstand aus einem sehr reinen, feink\u00f6rnigen Quarzsand mit starker Schr\u00e4gschichtung. Schr\u00e4gschichtungsk\u00f6rper innerhalb der Sandmasse werden einige Meter dick und fallen in nord- bis s\u00fcd\u00f6stlicher Richtung; dies zeigt, da\u00df sie von westlichen Winden abgesetzt wurden (Abb. 3). Eine Schwermineralb\u00e4nderung wurde nirgends beobachtet. Auf frischen Bruchfl\u00e4chen sind in den Quarziten bis mehrere cm gro\u00dfe knollige Partien des gleichen Materials zu beobachten, die von einem d\u00fcnnen schwarzen Saum aus Mangan- oder Eisenoxyden umgeben sind. Letztere sind wahrscheinlich aus dem Inneren der K\u00f6rper herausgel\u00f6st worden. Obwohl bei Betrachtung mit Vergr\u00f6\u00dferungsger\u00e4ten kein Unterschied in der Zusammensetzung von Knollen und Nebengestein zu erkennen ist, verwittern erstere doch leichter und bilden an freiliegenden Fl\u00e4chen runde Hohlr\u00e4ume (Abb. 4); an vielen Stellen sind benachbarte L\u00f6cher parallel angeordnet. Es gibt auch Stellen, wo bei Austrocknung brackiger L\u00f6sungen in den Sanden gewachsene Gibskristalle aus dem Gestein herausgewittert sind und charakteristische kleine Hohlr\u00e4ume hinterlassen haben (Abb. 5).<\/p>\n<p class=\"textblock\">Urspr\u00fcnglich war der helle Quarzit der heutigen Platte noch von einer Lage rotbrauner, \u00e4u\u00dferst harter Quarzite \u00fcberlagert. Dies ist einmal durch die zahlreichen gro\u00dfen Bl\u00f6cke dieser Quarzite (meist um 25 cm, bis 1 m) bekannt, die an den H\u00e4ngen des Berges liegen, und auch h\u00e4ufige Ger\u00f6lle in den vom Gamsberg kommenden Rivierl\u00e4ufen bilden (im Djab finden sie sich noch in mehr als 20 km Entfernung vom Berg). Zum anderen f\u00fcllt solches Material zahlreiche Spalten, die durch die helle Quarzitlage schneiden (Abb. 6) und sich in manchen F\u00e4llen noch mehr als 200 m tief im Granit fortsetzen. WITTIG (1976), der diese Spalten genauer untersucht und beschrieben hat, konnte mehrere Typen unterscheiden, n\u00e4mlich<br>a. solche innerhalb des Granits, die nicht an die Granitoberfl\u00e4che reichten und deshalb nur mit sekund\u00e4r wieder verfestigtem Granitgrus gef\u00fcllt sind;<br>b. solche innerhalb des Granits, die bis zur Oberfl\u00e4che reichten und sich zu einer Zeit bildeten, als der \u00fcberlagernde rote Quarzit noch unverfestigter Sand war und deshalb in die Spalte gest\u00fcrzt ist und sie ausgef\u00fcllt hat, und<br>c. solche, die au\u00dfer dem Granit auch noch den \u00fcberlagernden roten und den wei\u00dfen Quarzit durchschneiden und mit rotem Quarzit gef\u00fcllt sind, der hier und da auch noch kleinen Grus von wei\u00dfem Quarzit einschlie\u00dft. Dazu geh\u00f6ren auch solche Spalten, die nur den wei\u00dfen Quarzit schneiden, aber nicht in den Untergrund reichen. Das die Spalten f\u00fcllende Material ist erheblich feink\u00f6rniger als der wei\u00dfe Quarzit. Das Vorkommen dieser Spalten beweist, da\u00df zur Zeit ihrer Entstehung der basale und wei\u00dfe Quarzit schon verfestigt waren und scharfkantige Bruchfl\u00e4chen bildeten, und au\u00dferdem, da\u00df, wie schon erw\u00e4hnt, der wei\u00dfe Quarzit fr\u00fcher noch von feink\u00f6rnigem rotem Quarzit \u00fcberlagert war. Es ist auch ein Fall bekannt, wo eine Spalte dieses Typs eine vom erstgenannten Typ schneidet; zum Zeitpunkt der Entstehung war der Granitgrus in dieser schon verfestigt.<\/p>\n<div style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-76 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.hakos-astrofarm.com\/de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/gb_geo_pict3.jpg\" alt=\"\" width=\"372\" height=\"233\" srcset=\"https:\/\/www.hakos-astrofarm.com\/de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/gb_geo_pict3.jpg 372w, https:\/\/www.hakos-astrofarm.com\/de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/gb_geo_pict3-300x188.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 372px) 100vw, 372px\" \/>Abb. 4: Verwitterungshohlr\u00e4ume im Quarzit.<\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-77 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.hakos-astrofarm.com\/de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/gb_geo_pict4.jpg\" alt=\"\" width=\"369\" height=\"230\" srcset=\"https:\/\/www.hakos-astrofarm.com\/de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/gb_geo_pict4.jpg 369w, https:\/\/www.hakos-astrofarm.com\/de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/gb_geo_pict4-300x187.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 369px) 100vw, 369px\" \/>Abb. 5: Kleine Hohlr\u00e4ume im Quarzit die durch Verwitterung von Gipskristallen entstanden sind. 20 cent M\u00fcnze dient als Ma\u00dfstab.<\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-78 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.hakos-astrofarm.com\/de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/gb_geo_pict5.jpg\" alt=\"\" width=\"364\" height=\"229\" srcset=\"https:\/\/www.hakos-astrofarm.com\/de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/gb_geo_pict5.jpg 364w, https:\/\/www.hakos-astrofarm.com\/de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/gb_geo_pict5-300x189.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 364px) 100vw, 364px\" \/>Abb. 6: Mit dunkelbraunem, feink\u00f6rnigem Quarzit gef\u00fcllte Spalte im wei\u00dfen Quarzit.<\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<p class=\"textblock\">Fast alle Spalten verlaufen in Nord-S\u00fcd Richtung; sie sind wenige Millimeter bis etwa 10 cm breit. Manche verengen sich, andere behalten ihre Breite bis in gro\u00dfe Tiefen bei. Sie konnten bis zu 235 m unter die Granitoberfl\u00e4che verfolgt werden; da sie auch dort noch bis 10 cm breit sind, ist zu vermuten, da\u00df sie in Wirklichkeit noch tiefer reichen. Aus dem oben gesagten &#8211; Spalten verschiedenen Typs schneiden sich gegenseitig und beginnen oben in verschiednen Horizonten &#8211; geht hervor, da\u00df die Spaltenbildung \u00fcber einen erheblichen Zeitraum hinweg anhielt.<\/p>\n<p class=\"textblock\">Als Ursache solch tiefreichender Spaltenbildung kommt praktisch nur starke Erdbebent\u00e4tigkeit in Betracht. Diese wurde durch eine horizontale Dehnung der Erdkruste zu einer Zeit ausgel\u00f6st, als der gro\u00dfe S\u00fcdkontinent, in dessen zentralem Teil das s\u00fcdliche Afrika bis dahin gelegen hatte, allm\u00e4hlich auseinanderbrach und die einzelnen Bruchst\u00fccke voneinander wegtrieben. Das heutige Gamsberggebiet d\u00fcrfte etwa 300 km \u00f6stlich der Linie gelegen haben, an der sich Afrika und S\u00fcdamerika voneinander trennten. WITTIG hat berechnet, da\u00df allein unter dem etwa 3 km langen Gebiet, das heute noch vom Gamsbergquarzit bedeckt wird, etwa 5 bis 10 m ge\u00f6ffneter Spaltenraum entstanden ist, d.h. da\u00df das Gebiet sich um diesen Betrag gedehnt hat.<\/p>\n<div><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-79 alignleft\" src=\"https:\/\/www.hakos-astrofarm.com\/de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/gb_geo_pict6.gif\" alt=\"\" width=\"385\" height=\"197\"><\/div>\n<p class=\"textblock\">Im heutigen Kaoko- und Damaraland reichten die Zerrungsspalten sehr viel tiefer bis in den Erdmantel, und durch Druckentlastung kam es zum Ausflu\u00df gro\u00dfer Mengen basaltischer Laven. Diese haben urspr\u00fcnglich wohl gro\u00dfe Teile des n\u00f6rdlichen S\u00fcdwestafrika bedeckt, sind aber weitgehend abgetragen und nur noch am Etendenkaplateau, in der Umgebung von Rocky Point, \u00f6stlich vom Brandberg und am Erongo in gr\u00f6\u00dferen Vorkommen erhalten. Im Etendenkaplateau schlie\u00dfen sie Lagen von dem Gamsbergquarzit entsprechendem rotem aeolischem Quarzit ein. Radiometrische Messungen haben ergeben, da\u00df die Basalte Alter zwischen 117 und 136 Millionen Jahren haben, und es ist anzunehmen, da\u00df in dieser Zeit auch die Gamsbergspalten gebildet wurden. Dieses Gebiet war wahrscheinlich nicht mehr von basaltischen Laven dieses Alters bedeckt, weder kommen solche vor, noch gibt es basische (Dolerit)g\u00e4nge entsprechenden Alters. Solche G\u00e4nge, die Zufuhrkan\u00e4le von vulkanischen Gesteinen, verraten deren fr\u00fcheres Vorhandensein, auch wenn sie schon wieder abgetragen sind.<\/p>\n<p class=\"textblock\">Es ist noch zu erw\u00e4hnen, da\u00df auf dem Gamsbergplateau ein d\u00fcnner Schleier von unverfestigten, gut gerundeten Quarz- und Quarzitger\u00f6llen liegt. Diese sind nicht aus den Plateauquarziten ausgewittert, sondern Ablagerungen von Fl\u00fcssen, die in fr\u00fcheren Stadien der Landschaftsentwicklung in dieser H\u00f6he verliefen. Sie sind wahrscheinlich von jungkretazischem oder altterti\u00e4rem Alter.<\/p>\n<p class=\"textblock\">Seither hat tiefreichende Erosion das heutige Landschaftsbild geschaffen. Bis auf ganz wenige, kleine Reste wurden in den zentralen und s\u00fcdwestlichen Landesteilen die jungpal\u00e4ozoischen und mesozoischen Ablagerungen wieder abgetragen und das im Altpal\u00e4ozoikum angelegte Relief zun\u00e4chst freigelegt, dann ebenfalls angegriffen und weitgehend zerst\u00f6rt. Fragt man sich, warum gerade im Gamsberggebiet die beiden Quarzitreste erhalten sind, so ist zu bedenken, da\u00df diese auf hochaufragenden harten Granitmassen liegen, an die im Nordwesten die weicheren Schiefer der Damarafolge grenzten und im Osten wahrscheinlich die oben erw\u00e4hnten j\u00fcngeren Ablagerungen. Nachdem die harte Quarzplatte einmal von der Erosion durchschnitten war, schritt die Abtragung auf den weicheren Partien nat\u00fcrlich schneller voran und die auf den Granitaufragungen gelegenen Quarzite wurden schon in fr\u00fcher Zeit isoliert. Diese Erosionsreste sind relativ klein und v\u00f6llig eben; der auf sie fallende Niederschlag kann sich nicht sammeln und aktiv an der Erosion teilnehmen. Abtragung der Platten ist nur durch allm\u00e4hliches randliches Abbrechen m\u00f6glich, ein Proze\u00df, der in vollem Gange ist.<\/p>\n<p><b>Literatur:<\/b><br>WITTIG, R. 1976. Die Gamsberg-Spalten (SW-Afrika) &#8211; Zeugen Karroo-zeitlicher Erdbeben. <i>Geol. Rundschau,<\/i> 65(3): 1019-1034.<\/p>\n<p>Dr. K.E.L. Schalk<br>Postfach 2168<br>Windhoek 9000<br>SWA<\/p>\n<hr width=\"200\" align=\"left\">\n<p>Bitte entschuldigen Sie die schlechte Bildqualit\u00e4t.<br>Der Artikel wurde aus dem Journal gescannt.<\/p>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu dem Namen &#8218;Gamsberg&#8216;:J. E. Alexander erw\u00e4hnt den Gamsberg wohl als erster Europ\u00e4er in seinem Bericht &#8218;An Expedition of Discovery into the Interior of Africa&#8216;. 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