Hakos Planetenweg

Eine Wanderung durch unser Sonnensystem bis zur Grossen Randstufe Namibias

Können Sie sich eine Entfernung von über 4 Milliarden Kilometer vorstellen?  So weit ist es von der Erde bis zum äußersten Planeten unseres Sonnensystems, dem Neptun.  Der Planetenweg ermöglicht dem Besucher diese Dimensionen körperlich erlebbar zu machen, denn er entspricht einer maßstabsgetreuen Darstellung der Objekte unseres Sonnensystems und ihrer Abstände.  Ausgehend von der Sonne mit einem Durchmesser von 1,24 m im Modell können Sie von der Hakos-Farm aus unser Sonnensystem durchwandern und erreichen nach 2 km den fernsten Planeten Neptun am Aussichtspunkt Walter‘s Point.  Hier begrüßt Sie eine spektakuläre Berglandschaft mit einer  Weitsicht über die Grosse Randstufe hinaus bis tief in die Namibwüste.

@HakosPlanetenweg Sonne
@HakosPlanetenweg Jupiter
Planentenweg Saturn

Die Entstehungsgeschichte unseres Planetenweges beginnt 2011 (siehe Bericht unten).  ‘Umweltfreundlich … Wildsicher … Informativ … und Wetterfest’ – dies waren Schlüsselgedanken, die umgesetzt wurden.  Das harte Klima setzte schon nach wenigen Jahren der ersten Version des Planetenwegs sehr zu … und daraus entstand  der Planetenweg 2.0.

@HakosPlanetenweg Walter
Walter fabriziert den neuen Saturn
@HakosPlanetenweg Elisabeth
Elisabeth betoniert den Planeten in ‘seine Laufbahn’
@HakosPlanetenweg Ursel
Uschi errichtet den Neptun

Ein Planetenweg für Hakos

Rainer Glawion, Universität Freiburg

Ein Artikel in der Allgemeinen Zeitung Windhoek vom 10. Oktober 2005  ließ uns aufhorchen:  Es gibt in ganz Afrika erst einen einzigen Planetenweg, und der steht seit 2005 in Swakopmund.  Allerdings besteht der Planetenweg nur aus Betonsockeln mit eingravierten Namen und Umrissen der Planeten.  Auf Hakos wollten wir im September 2011 ein ganz anderes Konzept umsetzen, das sich schon beim Planetenweg in Freiburg im Breisgau bewährt hat.

Aller Anfang ist schwer

Aber Namibia ist nicht der Breisgau.  Zebras, die Pfosten und Lehrtafeln umrennen, Paviane, die mit Planetenkugeln Billard spielen, sind im heimischen Schwarzwald eher unbekannt.  Daher war eine sorgfältige Vorplanung notwendig.  Wie können die Einrichtungen wildtiersicher gemacht werden?  Welche Materialien widerstehen der intensiven Sonnenstrahlung in Namibia?  Welche Farmwege eignen sich?

Bei Pupkewitz in Windhoek, wo wir uns mit Friedhelm trafen, begann die praktische Planung.  Was wir in diesem Baumarkt vergaßen, musste auf Hakos improvisiert werden.  Denn wegen einer fehlenden Schraube 270 km weit zu fahren, war ausgeschlossen.  Schockiert waren wir über die hohen Holzpreise.  300 Euro für acht Holzpfähle war schon ein großer Brocken.  Glücklicherweise gibt es nur noch acht Planeten.  Dazu kamen noch Farben für die verschiedenen Planeten, Holzschutz, Lack, Pinsel, Schrauben, Bleche, Zement … so wurde der Einkaufswagen recht voll.

Konzept

Wegen der zu erwartenden Wildtierschäden kam ein Planetenweg mit Erläuterungstafeln nicht in Betracht.  Robuste Pfosten mit darauf montierten Planetenkugeln sowie aufgemalten Planetennamen waren das Einzige, was den harschen Umweltbedingungen ausgesetzt werden konnte.  Stattdessen sollten die Zusatzinformationen zu den Planeten auf einer Begleitbroschüre gedruckt werden, die den Gästen auf Hakos in die Hand gegeben wird.  Wichtig für das neue Konzept war, dass nicht nur die Daten der Planeten (Durchmesser, Sonnenabstand …) vermittelt werden, sondern zusätzliche Erläuterungen, die neugierig machen und so anschaulich sind, dass sich jeder Besucher angesprochen fühlt und sich die Dimensionen des Sonnensystems vorstellen kann.  Die Begleitbroschüre, die auf Hakos ausliegt, enthält zur Sonne und zu jedem der acht Planeten auf jeweils einer Seite ein Übersichtsfoto, die Sonnen- bzw. Planetendaten und eine für Laien verständliche Erläuterung (Abb. 1 und 2).

Die Zielgruppe des Planetenweges sind in erster Linie interessierte Gäste ohne astronomische Fachkenntnisse, die mit der Begehung des Planetenweges und einer abendlichen Sternführung ein abgerundetes Einführungsprogramm in die Astronomie auf Hakos vermittelt bekommen.

 

Abb. 1 – Titelseite der Begleitbroschüre zum Hakos-Planetenweg
Abb. 2 - Erläuterungsseite zum Jupiter aus der Begleitbroschüre zum Hakos-Planetenweg

Tab. 1 – Daten zum Planetenweg auf Hakos (Länge 2,0 km)

 

Abstand zur Sonne

Durchmesser

 

Mio. km

Maßstab

1:2,25 Milliarden

km

Maßstab

1:1,125 Milliarden

Sonne

1.392.000

1,24  m

Merkur

58

25  m

4.880

4,3 mm

Venus

108

48  m

12.100

10,8 mm

Erde

150

67  m

12.750

11,3 mm

Mars

228

100  m

6.800

6,0 mm

Jupiter

778

346  m

142.800

12,7  cm

Saturn

1434

637  m

120.500

10,7  cm

Uranus

2872

1,276 km

51.000

4,5  cm

Neptun

4495

2,000 km

49.400

4,4  cm

Aufbau

Nach einer Namibia-Exkursion im September 2011 mit 20 Geographiestudenten aus Freiburg kehrte der Student Thomas Roßwog mit mir nach Hakos zurück, um einen Planetenweg zu errichten.  Thomas Roßwog studierte Physik und Geographie, hatte eine Feinmechaniker-Ausbildung gemacht und schrieb am Fraunhofer-Institut für Solarphysik seine Abschlussarbeit über Parabolrinnen-Solarkraftwerke.

Zuerst musste ein geeigneter Farmweg auf Hakos gefunden werden.  Schnell stellte sich heraus, dass der Weg zum Aussichtspunkt ‚Walter’s Point‘ am Besten geeignet war:  Der Weg hat eine überschaubare Länge von 2 km, führt an der IAS-Sternwarte vorbei, wird von den Gästen auch wegen der Aussicht und der Zebrabeobachtung häufig begangen und hat am Endpunkt Blickkontakt zur Farm, dem Ausgangspunkt des Planetenweges – wichtig für das Staunen, wenn man am Neptun angekommen ist und zurückschaut („Was, so weit ist die Sonne vom Neptun entfernt …“).

Durch die Weglänge von 2 km ergibt sich ein Maßstab von 1:2,25 Milliarden für das Planetensystem.  Damit schrumpfen die Planeten auf wenige Millimeter bis Zentimeter – so dass wir uns entschlossen, den Maßstab der Planeten zu verdoppeln.  Damit hat Merkur immerhin 4,3 mm Durchmesser, Jupiter 12,7 cm und die Sonne 1,24 Meter (Tab. 1).  Eine 1,2 m große Sonnenkugel zu bauen, war nicht praktikabel. Stattdessen weist eine Sonnenscheibe von 1,24 m Durchmesser, auf die Mauer am Eingang zur Gästefarm montiert, alle ankommenden Besucher auf den Planetenweg hin (Abb. 3).

Einfallsreichtum war gefragt, was die Fertigung der Planetenkugeln anging.  Die Inneren Planeten Merkur, Venus, Erde und Mars drehte Thomas Roßwog aus Schraubenköpfen, wobei die Schrauben gleichzeitig eine stabile Verankerung in den Pfosten gewährleisten (Abb. 4).

 

@HakosPlanetenweg Sonne-Alt
Abb. 3 – Die 1,24 m große Sonnenscheibe neben dem Eingang zur Gästefarm als Ausgangspunkt zum Hakos-Planetenweg
@HakosPlanetenweg Thomas
Abb. 4 – Die Inneren Planeten werden von Thomas Roßwog aus Schraubenköpfen gedreht

Die Äußeren Planeten Uranus und Neptun wurden aus Eisenkugeln gedreht, die Walter auf dem Dachboden gefunden hatte.  Jupiter und Saturn waren das größte Problem, denn so große Eisenkugeln bieten weder der Baumarkt noch die unerschöpflichen Lagerräume von Hakos.  Also modellierte sie Thomas aus Beton.  Der Saturnring besteht aus einem Blech, das im Beton eingegossen ist (Abb. 5 und 6).  Nur gut, dass die 60 Monde des Saturn nicht noch abzubilden waren …

Alle Planeten wurden auf 1,5 m hohe Holzpfosten geschraubt, die in Beton im Boden verankert sind (Abb. 7 und 8).

 

@HakosPlanetenweg Walter Thomas
Abb. 5 – Unter fachkundiger Anleitung von Walter Straube schneidet Thomas den Saturnring aus einer Metallplatte aus
@HakosPlanetenweg Thomas
Abb. 6 – Anschließend wird der Saturn aus Beton und Zement „getöpfert“
@HakosPlanetenweg Walter Arbeiter
Abb. 7 – Moses und Willem betonieren den Mars ein
@HakosPlanetenweg Thomas
Abb. 8 – Der Saturn wird auf den Holzpfosten aufgeschraubt

Planetenweg 2.0

Schon nach wenigen Jahren hatten Wind, Wetter und Tiere dem Planetenweg so zugesetzt, dass er deutliche Zerfallserscheinungen zeigte. Einige Holzpfosten waren von Zebras umgeknickt, Paviane hatten ihre Kraft an den Planetenkugeln ausgelassen, die intensive Sonneneinstrahlung hatte die Farben ausgebleicht, und die starken Temperaturschwankungen zwischen kalten Nächten und heißen Tagen hatten die äußeren Schalen der mit Zement modellierten Gasplaneten Jupiter und Saturn abplatzen lassen.  Mit anderen Worten:  Der Planetenweg musste runderneuert werden, und zwar mit Baumaterialien, die gegen Wetter und Tiere weniger anfällig waren.  Die Holzpfosten wurden durch Eisenstelen und die modellierten Gasplaneten durch Eisenkugeln ersetzt (Abb. 9).  Auf einen farbigen Anstrich der Planeten verzichteten wir diesmal.  Aber woher massive Eisenkugeln mit exakt den maßstabsgetreuen Durchmessern bekommen?  In Windhoek gab es das nicht.  Nach langer Suche wurde Uschi Pond in Kapstadt fündig.

Dampfend, rauchend wird der neue Saturn im Schraubstock geboren!

Die neuen Eisenstelen mit Planeten versehen wurden von Siggi Straube geschweisst.  Am 9. Mai 2016 war es dann soweit:  Im Licht der Abendsonne fuhren Uschi Pond und Elisabeth Straube mit einem Pick-up, beladen mit den Eisenstelen und den darauf montierten 8 Planeten, mit Zement, Spitzhacke und Schaufeln den Planetenweg ab.  Die Überreste der alten Planetenpfosten gruben sie  aus und verankerten die neuen Planetenstelen im Boden (Abb. 10).  Zum Abschluss legten sie große weiße Quarzitsteine um die Stelen aus, damit die Zebras sich nicht mehr an den Pfosten scheuern können.

Jetzt erstrahlt der Planetenweg wieder in vollem Glanz.  Die Hammerschlaglackierung der Gasplaneten sieht attraktiv aus und ist zudem wetterunempfindlich.  Auch die in Metallplatten eingravierten Planetennamen an den Eisenpfosten wirken sehr ansprechend.

Durch die Schweißarbeiten bekam der Saturnring eine leichte Wölbung.  Er stellt jetzt ein beliebtes Fotomotiv für ein ‚Selfie‘ mit Hut dar (Abb. 11).

@HakosPlanetenweg Planetenstele
Abb. 9 - Die runderneuerten Planeten warten in der Hakos-Garage auf den Abtransport zu ihren Bestimmungsorten
@HakosPlanetenweg Elisabeth Ursel
Abb. 10 - Elisabeth und Uschi betonieren die neue Saturnstele in den Boden ein - links im Bild liegt der alte Planetenpfosten mit dem ausgegrabenen Betonsockel
@HakosPlanetenweg Rainer Glawion
Abb. 11 - Der Initiator des ersten Hakos-Planetenweges, Rainer Glawion, freut sich beim Saturn über den runderneuerten Planetenweg

Danksagung

Die Gestaltung und Umsetzung des ersten Planetenweges erfolgte im September 2011 durch den Physikstudenten Thomas Roßwog von der Universität Freiburg, der mit eisernem Willen, großem handwerklichen Geschick und vielen praktischen Ideen dafür sorgte, dass der Planetenweg auf Hakos in nur 10 Tagen Realität wurde.  Das Hakos-Team Walter, Waltraud und Friedhelm haben mit wertvollen Ratschlägen, tatkräftiger Hilfe und der Kostenübernahme das Projekt engagiert unterstützt.  Christian Dombrowski, freier Journalist und Mitglied der Sternfreunde Breisgau in Freiburg, hat mit seinem freundlichen Einverständnis zur Mitverwendung seiner Texte vom ‚Freiburger Planetenweg‘ (www.freiburger-planetenweg.de) wesentlich zum inhaltlichen und didaktischen Teil des Hakos-Planetenweges beigetragen. Uschi und Elisabeth erneuerten den Planetenweg im Mai 2016 mit großem Arbeitseinsatz.

Allen genannten Personen drücke ich meinen Dank aus und hoffe, dass der Planetenweg zahlreichen Gästen auf Hakos viele Jahre Freude bereiten wird und unser gemeinsames Hobby Astronomie weitertragen wird.

 Rainer Glawion